Herr Buchbinder, Sie sind bereits mehrfach mit der Jungen Deutschen Philharmonie aufgetreten. Warum kehren Sie gerne zu diesem Orchester zurück?
Es liegt schon eine Weile zurück, dass ich mit diesem Orchester aufgetreten bin, aber ich habe die besten Erinnerungen. Man kann es gar nicht genug unterstützen, wenn junge Menschen animiert werden, sich mit klassischer Musik auseinanderzusetzen und zu beschäftigen. Das gilt auch für ein junges Konzertpublikum. Wir müssen gemeinsam versuchen, diese schreckliche Barriere zwischen Konzertpodium und Publikum zu überwinden. Klassische Musik ist ja nicht bloß etwas für ältere Menschen. Schon jüngste Schulklassen gehen mit großem Vergnügen in Konzerte. Wenn ich gefragt werde, ob Schulklassen zu meinen Proben kommen dürfen, sage ich immer ja. Es stört mich auch überhaupt nicht, wenn sie dann Lärm oder Späße machen, Hauptsache, sie kommen in Berührung mit der klassischen Musik. Wenn auch nur ein paar wenige übrig bleiben und dann später in Konzerte gehen, hat es sich schon gelohnt.
Ein Orchester wie die Junge Deutsche Philharmonie besteht aus jungen, vergleichsweise unerfahrenen Musikern. Was reizt einen erfahrenen Solisten wie Sie an der künstlerischenZusammenarbeit?
Ein junges Orchester kann noch gar nicht die Erfahrungen eines großen alten Symphonieorchesters haben. Aber diese Erfahrung an sich hat überhaupt keine Bedeutung, oft versteckt sich dahinter ohnehin bloß Routine. Ich bin zwar in künstlerischer Hinsicht Perfektionist, aber was soll schon schlimm daran sein, wenn mal ein Detail nicht funktioniert! Die großen Nachwuchsorchester haben inzwischen ein Niveau erreicht, bei dem sich diese Frage überhaupt nicht mehr stellt. Die können in technischer Hinsicht sowieso mit den anderen Symphonieorchestern mithalten, und musikalisch ist es immer wieder hochspannend, mit diesen Musikern zu arbeiten. Ich möchte keine Namen nennen, aber ich habe schon mit großen professionellen Symphonieorchestern gespielt, die deutlich schlechter waren als die Junge Deutsche Philharmonie. Gerade die jungen Musiker zeichnen sich aus durch einen großen Enthusiasmus und eine Gier, alles Neue aufzusaugen.
Sie spielen das nicht besonders populäre erste Klavierkonzert von Johannes Brahms mit der Jungen Deutschen Philharmonie. Wie kam es zu dieser Stückwahl?
Mein Repertoire ist zum Glück sehr groß. Das erste Brahmskonzert ist sicher eine Herausforderung für die jungen Leute, denn es ist sicher eines der kompliziertesten und schwersten Klavierkonzerte, es ist fast eine Symphonie. Für mich ist es eines der dankbarsten Konzerte. Bei der Uraufführung hieß es, das Werk sei spröde, aber für mich ist es eines der größten und gelungensten Klavierkonzerte, vielleicht sogar eines der effektvollsten. Ich freue mich schon sehr auf die sicher sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Lawrence Foster, mit dem ich das Konzert bereits mehrfach aufgeführt habe. Er wird mit dem Orchester gründlich arbeiten, und dann setzen wir das Gesamtwerk zusammen. Da wird nichts schiefgehen. Ich bin schließlich
Perfektionist.
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Künstler-Schüler-Begegnungen
Im Rahmen des Projekts „ZukunftsMusik“ wird in der Hamburger Laeiszhalle eine Schülergruppe bei der Anspielprobe zu Gast sein und danach Gelegenheit für viele Fragen haben. Rudolf Buchbinder und die Musiker der Jungen Deutschen Philharmonie werden Rede und Antwort stehen.
Rudolf Buchbinder
begann seine Karriere als Kammermusiker. Inzwischen musiziert der Pianist weltweit mit allen großen Orchestern und Dirigenten, ist regelmäßiger Gast bei allen bedeutenden Festivals und Intendant der Festspiele Grafenegg.
Rudolf Buchbinder nahm über 100 Schallplatten auf. Darunter auch die beiden Klavierkonzerte von Brahms, die er mit dem Royal Concertgebouw Orchestra unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt einspielte. Zu seinen größten Erfolgen gehört außerdem die zyklische Wiedergabe aller 32 Sonaten Beethovens, die er in über 30 Städten – darunter München, Wien, Hamburg, Zürich, Buenos Aires – aufgeführt hat. Rudolf Buchbinder konzertierte mit der Jungen Deutschen Philharmonie bereits kurz nach ihrer Gründung 1977 unter Zdenek Macal und wirkte beim großen „Opus Anton Webern“ 1983 unter Gary Bertini mit.
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