Zwei Harfenistinnen der Jungen Deutschen Philharmonie haben gerade ihre erste Orchesterstelle angetreten. Johanna Reithmayer spielt seit dieser Saison im Beethoven-Orchester Bonn, Ronith Mues beim Konzerthausorchester Berlin. Das heißt Abschied nehmen von einer besonderen Zeit. Ein Gespräch über Lernen, Leidenschaft und Leistungsgrenzen.
Ronith, du bist gerade zu Besuch bei den Proben, Johanna, du kommst als Gast zum Konzert. Ist das noch mal ein richtiger Abschied von der Jungen Deutschen Philharmonie?
Johanna Reithmayer: Man verabschiedet sich ja nicht ganz. Wir halten ja Kontakt und kommen weiter zu den Konzerten. Aber das ist natürlich nicht dasselbe!
Ronith Mues: Also mir wurde das Herz vorhin scho a bisserl schwer… Da stehst du so fremd im UDK-Saal und gehörst einfach nicht mehr dazu. Da wird man schon wehmütig!
An was denkt ihr denn am liebsten zurück? Was waren die besten Momente bei der JDPh?
Johanna: Ein Highlight war auf jeden Fall unser Auftritt im Dirndl am bunten Abend in Ochsenhausen. Da haben wir ein paar bayerische Heimatklänge zum Besten gegeben und sahen echt heiß aus in der Tracht!
Ronith: Ja, ein ziemlicher Spaß! Das Konzert zur Eröffnung des Holocaust-Mahnmals in Berlin werde ich aber auch nicht vergessen, das war sehr bewegend. Aber es gab auch peinliche, sehr lehrreiche Momente. Zum Beispiel der Morgen, als die Probe von Zender begann, Rihm stand auf dem Programm und die Harfe fehlte! Unser Stage-Assi hat mich dann geweckt und kurzerhand in den Saal getragen. Seitdem verschlafe ich nicht mehr…
Johanna: Neben dem großen Spaß, den das Spielen macht, lernt man eben auch unglaublich viel. Jetzt spürt man, wie essentiell die Zeit im Studentenorchester war.
Ronith: Die Dirigenten begegnen einem so jungen Orchester auf eine andere Art: Die Studenten sind ja sehr empfänglich und neugierig, fressen dem Maestro sozusagen aus der Hand. Das schafft auf dieser Seite auch eine Menge Euphorie.
Johanna: Komponisten persönlich kennenzulernen und mit ihnen zu arbeiten, war eine tolle Erfahrung. Es werden ja viele neue Werke und Uraufführungen gespielt.
Und jetzt: Die erste Stelle, wie fühlt es sich an? Nach Ernst des Lebens?
Johanna: Ach, im Moment ist es einfach nur toll! Ich habe genau das, was ich mir gewünscht habe, ich könnte mir nichts Besseres vorstellen!
Als Harfenistin in ein Profi-Orchester zu kommen, ist sicher etwas anderes als z.B. als Geigerin. Fühlt ihr euch nicht manchmal allein auf dem einsamen Posten?
Ronith: Ja, wir haben keine Gruppe, in die wir uns eingliedern können. Das Alleinsein ist manchmal schon eine Bürde. Aber wir kennen das ja schon…
Johanna: Einerseits kann dir keiner helfen, es kennt ja keiner deinen Part. Aber das bedeutet andererseits auch Freiheit. Auch was die Interpretation angeht.
Worin genau unterscheidet sich der Alltag im Profiorchester vom Spielen in der JDPh?
Ronith: Auf der Tournee mit der JDPh hat man einen ganz anderen Energielevel. Drei Wochen Arbeitsphase heißt ständig an die Grenze gehen. Man ist high, gibt immer alles. Als Berufsmusiker muss man sich die Kräfte besser einteilen, muss lernen, mit Offenheit und Engagement bewusster umzugehen. Sonst ist man auch zu verletzlich.
Johanna: Während der Arbeitsphasen in der JDPh wächst man sehr zusammen. Man kennt sich zum Teil schon lange und erlebt dann diese intensive Zeit, das beeinflusst natürlich das Zusammenspiel. Je besser man sich kennt, desto besser klappt’s!
Worin genau ist das spürbar?
Ronith: Ich sage nur Herzblut! Allen geht’s um die Sache, um das Gemeinsame. Wenn da jemand ein Solo spielt, der Dir auch persönlich nah ist, begleitest Du ihn anders.
Und jetzt, wo ihr noch fremd seid im neuen Orchester, ist es dann schwerer?
Johanna: Naja, du bist jetzt die einzige Neue. In der JDPh kennen sich zwar viele, aber in der jeweiligen Konstellation spielt man immer das erste Mal. Im Profiorchester musst du dich in etwas Bestehendes einfügen. Aber man lernt viel von den älteren Kollegen, die Sicherheit durch das langjährige Zusammenspiel ist bewundernswert.
Ronith: Bei uns sind viele jungen Leute, die eben auch noch recht neu sind. Das macht es mir natürlich leichter, Anschluss zu finden.
Wo sind die Unterschiede zu den erfahrenen Musikern?
Johanna: Wie gesagt, kann man nicht 20 Jahre non-stopp alles geben. Manche sind natürlich nicht mehr dauernd euphorisch. Aber das merke ich höchstens, wenn jemand in der Probe auf die Uhr schaut. Kennt man von der JDPh einfach nicht…
Ronith: Bei uns legt zum Glück keiner um Punkt 6 die Geige weg. Das Orchester hat einen tollen gemeinsamen Geist. Die Strukturen haben sich durch Herrn Zagrosek verändert, das hat auch mehr Leidenschaft zur Folge.
Johanna: Nicht dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Meine Kollegen bleiben auch dran, wenn’s wichtig ist! Wenn der Dirigent freundlich fragt, ob wir es nochmal spielen wollen, sind auch nach Probenende alle dabei! Die Leidenschaft potenziert sich ja!
Ronith: Allerdings. Die meiste Zeit denke ich: Wir haben einfach den schönsten Beruf der Welt!
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Interview: Julia Becker
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