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Am 31. Mai und 1. Juni 2017 spielt ein Ensemble der Jungen Deutschen Philharmonie zwei Konzerte, die japanische Klänge zum Thema haben. Auf dem Programm stehen moderne und zeitgenössische Werke japanischer und japanischstämmiger Komponistinnen und Komponisten. Bereits 2016 spielte ein Ensemble der Jungen Deutschen Philharmonie in der Werner Reimers Stiftung in Bad Homburg, diese Kooperation wird nun fortgesetzt. Erstmalig hingegen findet ein Auftritt im Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin statt.

Zu den wichtigsten musikalischen Einflüssen von Hideki Kozakura zählen neben der deutschen Klassik und Romantik (insbesondere Beethoven, Schubert und Brahms) sowie verschiedenen Formen des traditionellen japanischen Theaters auch deutsche Elektronik- und Technomusik. Zu seinem Trio für Violine, Violoncello und Klavier ließ er sich darüber hinaus von der englischen Romantik inspirieren: „I arise from dreams of thee“, so der Beginn von Percy Shelleys berühmter „Indian Serenade“, der sich im Titel des Werks wiederfindet.
Toru Takemitsu gehört zu den profiliertesten Vertretern japanischer Kunstmusik. Ein zentrales Thema seines umfangreichen Œuvres ist die Auseinandersetzung mit der Natur und dem Element Wasser, so auch in seinen beiden Rain Tree Sketches von 1982 und 1992. Auch Takemitsu ließ sich für diese Kompositionen von einer literarischen Vorlage, dem Roman „Der kluge Regenbaum“ des Nobelpreisträgers Kenzaburo Oe, inspirieren.
In Lamento für zwei Violinen von Malika Kishino spielen Natur und Wasser ebenfalls eine zentrale, wenngleich verheerende Rolle: Das Werk ist den Opfern des Tohoku-Erdbebens und Tsunamis sowie der daraus folgenden Nuklearkatastrophe von Fukushima gewidmet. Es vereint die Ambivalenz der überwältigend schönen und gleichsam bedrohlichen Natur sowie das Bedürfnis der Menschheit nach Zugehörigkeit und Geborgenheit.
Isang Yun gilt vielen heute als koreanischer Nationalkomponist. Zum Zeitpunkt seiner Geburt vor hundert Jahren war sein Heimatland jedoch von Japan besetzt. Nach Studien in Osaka und Tokyo sowie einer zwischenzeitlichen Rückkehr nach Südkorea übersiedelte er Ende der 1950er Jahre nach Deutschland, das zu seiner zweiten Heimat wurde. Sein Duo für Viola und Klavier, welches 1976 entstand, imitiert mit der modernen Bratsche die klanglichen Eigenschaften traditioneller koreanischer Streichinstrumente.
In Epanouissement von Malika Kishino verkörpert das Violoncello eine Lotusblume im Prozess des „Aufblühens“ (so der Titel) – nicht nur als Sinnbild für die Entwicklung von Leben, sondern allgemein als Ausdruck einer der zentralen Schaffensprinzipien der in Kyoto geborenen und mittlerweile in Köln lebenden Komponistin: In vielen ihrer Werke lässt sich die Idee eines „Klangorganismus“ aufspüren, wird die Vorstellung deutlich, dass eine Komposition eine Entwicklungsdauer, eine Eigenzeit und eine charakteristische Form hat.
Mit der Vorstellung, dass es sich bei Musik um etwas Organisches handelt, ist Kishino nicht allein: „Wir hören die einzelnen Töne und nehmen zugleich mit Wertschätzung den Prozess wahr, wie sie geboren werden und vergehen, sozusagen eine tönend in sich belebte Landschaft des Werdens”, so Toshio Hosokawa über seine Musik. Zahlreiche solcher Landschaften hat er auch dem Titel nach komponiert: So entstanden u. a. seine Landscapes I bis VI für verschiedene Kammermusikbesetzungen. 1955 in Hiroshima geboren, kam Hosokawa 1976 nach Deutschland, um dort unter anderem bei Isang Yun zu studieren. Orientierten sich seine Kompositionen zunächst an der westlichen Avantgarde, suchte er mit der Zeit vermehrt nach einer Verbindung zu seiner Heimat: „Ich suche nach einer neuen Form spiritueller Kultur und Musik des japanischen Volkes, mit der ich sowohl mir selbst als auch meiner Herkunft treu bleibe. Wir müssen den Westen noch einmal und gründlicher studieren, um unsere Sicht auf uns zu objektivieren und uns selbst wirklich kennenzulernen.”


ENSEMBLE DER JUNGEN DEUTSCHEN PHILHARMONIE
Soyeon Lee, Nathan Paik / Violine 

Dorothea Schröder / Viola

Jan-Filip Ťupa / Violoncello 

Magdalena Cerezo Falces / Klavier
 
PROGRAMM
Hideki Kozakura (*1970): I arise from dreams of thee für Klavier, Violine und Violoncello (2003)

Toru Takemitsu (1930-1996): Rain Tree Sketch für Klavier (1982)
Malika Kishino (*1971): Lamento für zwei Violinen (2013)

Isang Yun (1917-1995): Duo für Viola und Klavier (1976)
Toru Takemitsu (1930-1996): Rain Tree Sketch II – in Memoriam Olivier Messiaen für Klavier (1992)

Toshio Hosokawa (*1955): Landscape I für Streichquartett (1992)
 

KONZERTE
MI 31.05.17 / 19.30 Uhr Berlin, Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin
DO 01.06.17 / 20.00 Uhr Bad Homburg, Werner Reimers Stiftung

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Janina Schmid
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